Liebe Leserinnen, liebe Leser,

nach dem Abitur am WG beschloss ich Biochemie an der Universität Würzburg zu studieren. Heute habe ich den theoretischen Teil dieses Studienganges hinter mich gebracht und stehe kurz vor dem Beginn meiner Masterarbeit.

An meinem sogenannten „Ersti-Tag“ gab es eine Botschaft, die uns allen noch lange im Kopf geblieben ist. „Das erste Semester wird hart. Das zweite wird härter. Das dritte wird die Hölle. Aber wenn du es bis zum vierten Semester schaffst, hast du das Schlimmste hinter dir!“ Das mag vielleicht einschüchternd klingen, aber ist auch ein Ausblick auf die schönen Dinge dieses Studiums. Und ehrlich, ganz so schlimm ist es dann doch nie. Das Studium beginnt nicht unbedingt mit der Hardcore-Biochemie. Ganz im Gegenteil: Der Bachelor gilt nur als Grundstudium. Hier bekommst du Einblicke in Biologie, Chemie, Mathematik und Physik bis hin zur Quantenmechanik. Das bedeutet allerdings auch, dass du dieses Studium gar nicht erst anfangen brauchst, wenn du in drei Jahren fertig sein und keinen Master machen willst.

Einschüchternd war für mich vor allem die Chemie. „Ihr hattet Chemie in der Schule? Vergesst alles, was ihr dort gelernt habt. Wir fangen hier neu an“, hieß es in meiner ersten Woche. Regeln und Modelle, die ihr in der Schule als die Grundpfeiler der Chemie akzeptiert habt, werden plötzlich auf den Kopf gestellt. Das alles hat besonders einen Vorteil: Jeder kann einsteigen, auch ohne viel Vorwissen. Und da ich ja in der Schule deutlich mehr BWL als Naturwissenschaften hatte, weiß ich, wovon ich da rede.

Du lernst zunächst Dinge, die eher nicht dein Grund für den Start dieses Studiums waren und die dir zunächst möglichweise schwerfallen, aber ab dem vierten Semester wird alles anders und leichter. Nun weißt du hoffentlich, was dich interessiert, und du kannst dich in verschiedenen Bereichen deiner Wahl spezialisieren.

Du kannst lernen, wie Krankheiten entstehen und wie dein Körper diese bekämpft. Vielleicht interessiert dich aber viel mehr, woher deine Zellen wissen, was sie gerade brauchen, wie die Herstellung von Proteinen reguliert wird und wie diese immer dort hinkommen, wo sie gebraucht werden. Wie findet man eigentlich heraus, wie die Struktur eines Proteins aussieht und woher „weiß“ ein Protein, wie es sich richtig faltet? Wie wirken toxische Substanzen? Wie teilt das Gehirn deinem Körper mit, dass du deinen rechten Arm bewegen willst, und wie synthetisiert unser Körper Glückshormone? Dies ist nur eine kleine, oberflächliche Auswahl der Dinge, die ich in den letzten Jahren lernen durfte.

Das große Ziel ist dann die Arbeit im Labor, das Forschen an einer Fragestellung, deren Antwort vielleicht irgendwann einmal folgenden Generationen in einer Vorlesung gelehrt wird. Nun bekommst du nicht mehr gesagt, wie die Dinge funktionieren, jetzt ist es deine Aufgabe, genau das herauszufinden. Dabei ist ein gewisses Maß an Organisationstalent und auch Frustrationstoleranz sicher von Vorteil.

Vielleicht hältst auch du irgendwann deinen eigenen Laborkittel in der Hand und hast die Möglichkeit, in unbekannte Welten einzutauchen, zu forschen und Rätsel zu lösen, von denen die meisten Menschen um dich herum vielleicht noch nie etwas gehört haben.

Artikel und Fotos/privat: Debora Eger

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