Hallo ihr,

mein Name ist Anna Winkler und ich möchte euch heute mal einen kleinen Einblick in mein Lehramtsstudium für Gymnasium geben. Meine Fächer sind Mathematik und Sport In diesem Bericht möchte ich euch ein bisschen über Studienfach Mathematik an der Universität Würzburg erzählen.

Zunächst solltet ihr wissen, dass die Studiengänge in den verschiedenen Bundesländern etwas anders ablaufen. In Bayern z.B. ist das Ziel, das erste Staatsexamen zu schreiben, während in Baden-Württemberg mittlerweile auf das Bachelor-Master-System umgestellt wurde.

Mathematik gilt als eine der schwersten Studiengänge. Ich wurde zwar von einigen Mathelehrern gewarnt, habe mir aber, wegen meiner Noten, nicht allzu große Sorgen gemacht. Direkt am ersten Unitag, Vorlesung „Lineare Algebra“, wurde ich wachgerüttelt. Der Studiengang Gymnasium hört seine Vorlesungen zusammen mit dem Mathematikbachelorstudiengang. Wenn ich sagen würde, ich habe damals etwas in der Vorlesung verstanden, so würde ich lügen. Acht Seiten in einer Vorlesung von 90 Minuten mitschreiben – da wurde mir das erste Mal bewusst, wie schön doch die Schulzeit war. Im Studiengang Mathematik gilt es, in den ersten vier Semestern jede Woche Arbeitsblätter zu lösen bzw. hauptsächlich Dinge zu beweisen, sodass man eine Hürde von 50% erreicht, um zur Klausur zugelassen zu werden. Na ja, und da ich in der Vorlesung sehr wenig verstand, musste ich diese komplett daheim nacharbeiten und für die Arbeitsblätter musste ich mich an ein paar schlauere Studenten hängen, die – woher weiß ich auch nicht – irgendwie ein Überwissen haben. Der Einstieg war also alles andere als erfreulich und kratzte ganz schön an meinem Selbstvertrauen.

Das Studium erfordert viel Selbstständigkeit und eine sehr hohe Frustrationstoleranz. Das bekommt man ständig zu spüren. Sogar heute noch, und ich bin mittlerweile im neunten Semester, in dem ich meine letzte Vorlesung höre, gehe ich aus Vorlesungen und weiß oft nicht, warum die behandelten Sätze und Korollare wichtig sind. Die Durchfallquoten in den Klausuren am Ende des Semesters betragen dann ungefähr 70-80% (Das ist kein Scherz!). Es gilt also, wenn man nicht gerade das Genie schlechthin ist, wirklich alles zu geben. Dazu braucht man definitiv Wille und Ehrgeiz, wodurch ich dem Sport sehr viel zu verdanken habe.

So, nun habe ich so viel Negatives berichtet. Das Studium hat mir allerdings auch einiges mitgegeben: Wenn du denkst, dass du als relativ guter Schüler nicht an deine Grenzen kommen kannst, so lehrt dich diese Mathematik eines Besseren. Man lernt, und das meine ich wirklich todernst, mit Niederlagen umzugehen. Man muss lernen diese nicht an sich ranzulassen, aufzustehen und wieder und wieder weiter zu machen. Außerdem freue ich mich unglaublich, den Lehrerberuf irgendwann mal ausführen zu dürfen. Ich weiß nicht, wie ich es bis ins neunte Semester geschafft habe. Allerdings weiß ich, für welches Ziel ich das mache. Schülern Mathematik beibringen zu dürfen ist genau das, was ich die restlichen Jahre meines Lebens machen möchte. Wissen weitergeben und dem einen oder anderen vielleicht die Abneigung gegen die Mathematik etwas zu nehmen. Ich möchte ihnen zeigen, dass das, was „da vorne an der Tafel“ geredet wird, doch alles Sinn macht! ;-)