Wer noch richtige Handwerkskunst in einer Autolackiererei erleben möchte, macht sich nach Werbachhausen auf und muss erst ein wenig nach der Körnersgasse 3 suchen, um bei Midho Fejzic zu landen.

Das Navi weist den Weg, doch man glaubt, der Weg führe in irgendeine Gartenanlage. Das Vertrauen ins Navi bewährt sich, die Lackiererei taucht auf mit entsprechend großem Parkplatz. Ein Mann, ein Lehrling, eine Verwandtschaft – und der Kunde gehört ganz schnell zur „Familie“. Es ist nicht allein die Herzlichkeit von Firmeninhaber Midho Fejzic, die einen sofort für ihn einnimmt, es ist das Gefühl, hier ist Autolackieren eine Berufung, die noch etwas von Rechtschaffenheit und Zuverlässigkeit atmet, sodass man vertrauensvoll sein Auto ihm überlassen kann. Auch sein Neffe Mahir wird in diesem Sinn „erzogen“, strömt noch Begeisterung für die Aufgaben aus und ist entschlossen, später den Betrieb zu übernehmen. Es ist eine Idealkonstellation, wie sie sich viele ältere Firmenbesitzer erträumen, es bleibt in der Familie, es wird im „alten“ Geist weitergeführt, alles Investieren an Tipps und Ratschläge in Mahir ist eine „Zukunfts-Investition“.

Seit dem 10. Lebensjahr lebt Midho Fejzic in Deutschland, seine Familie kam aus Sarajewo/Bosnien-Herzegowina. Als Lackierer-Meister baute er 1994 die Firma auf, ein mutiger und recht schwerer Start, da er zunächst niemanden im Ort kannte. Das hat sich nun längst geändert, Midho ist in seiner gewinnenden Art eine Bereicherung für Werbachhausen.

Und noch etwas fällt auf: Onkel Midho und Neffe Mahir sind eine Gemeinschaft, in der – wie in der alten Handwerkstradition – der Junge vom Erfahrenen lernt, es begierig aufgreift und mit innerem Interesse umsetzt. Nichts von „besserwisserischer“ Jugend, die sich so dem Sinnvollen und Bewährten verschließt, sondern beide sind stolz aufeinander, beide haben eine klare Rollenteilung, von der beide nur profitieren und damit am Ende der Kunde. Es ist dieses beruflich familiäre Miteinander, diese Verbindung von Gegenwart und Zukunft, die für beide so beglückend ist, woraus jeder der beiden Begeisterung und Kraft schöpft. Letztendlich ist so eine geplante Firmenübergabe, die in ihrer Idealität vielleicht meist nur im Kleinen möglich ist, von vielen Inhabern von Familienbetrieben – unabhängig der Größe – ersehnt, aber immer weniger verwirklicht. Die „FT-Abi-Plattform“ wünscht dieser Idealität im Kleinen gutes Gelingen!

Text und Fotos: Klaus Schenck

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