Mein Name ist Jakob und ich lerne den Beruf „Zimmermann“. Ich bin nach eineinhalb Jahren jetzt im dritten und damit letzten Lehrjahr der Ausbildung. Aufgrund des absolvierten Abiturs musste ich das erste Lehrjahr, das sogenannte Berufsgrundjahr, nicht besuchen. Doch bevor ich mich weiter in die Lehre und das Handwerk vertiefe, möchte ich kurz erläutern, was meine Beweggründe zu einer solchen Ausbildung waren.

Ich wusste in den Jahren vor dem Abitur, im Unterschied zu vielen meiner damaligen Mitschüler, bereits ziemlich genau, was ich wollte. Ein Studium im Fach „Regie“.
Beinahe spontan entschloss ich mich jedoch, mich einem Klassenkameraden nach Australien anzuschließen. Wir reisten drei Monate zusammen und neun weitere reiste ich ohne ihn. Nach einem halben Jahr verflog mein Wunsch „Regie“ zu studieren. Ich wusste, dass ich in den nächsten Jahren erst einmal eins machen wollte, und das war reisen. Von einem Freund in der Heimat wusste ich, dass er als Zimmermann mit Leichtigkeit im Ausland an Arbeit (die sowohl kreativ als auch abwechslungsreich ist) kam. Problem, Arbeit auf dem Bau zu finden, hatte ich auch nicht, jedoch war sie relativ schlecht bezahlt und es waren in der Regel Knochenjobs. Man muss dazu sagen, dass man das erste Lehrjahr auch nicht viel mehr erwarten darf. Abgesehen von kostbarem Wissen.

Als ich also die Lehre antrat, hatte ich noch relativ wenig Bezug zum Handwerk. Es war viel eher Mittel zum Zweck. Das hat sich in den letzten eineinhalb Jahren grundlegend geändert: Ich kann mit Freude sagen, dass ich als Holzhandwerker meine Berufung gefunden habe. Es sei angemerkt, dass in dem Wort „Berufung“ der Wortursprung zu „Beruf“ liegt. Worin man früher seine Lebensaufgabe, ja besser noch sein Leben gesehen hat, so ist heutzutage für die meisten Menschen der Beruf Mittel zum Zweck anstatt Selbstverwirklichung.

Wenn man eine handwerkliche Ausbildung antritt, so merkt man sehr schnell, zu was man in der Lage ist. Es ist ein gutes Gefühl, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen, für das andere Leute freiwillig Geld ausgeben. Man wagt sich mit der Zeit auch an andere handwerkliche Tätigkeiten, wie zum Beispiel eine einfache Wand hoch zu mauern, wenn man erstmal die Erkenntnis hat, dass sich hinter nichts von alledem eine Raketenwissenschaft verbirgt.

Es sei trotzdem nicht zu unterschätzen. Es ist langjährige Übung hin zur Perfektion. Wenn man sich die Bauten alter Tage anschaut, so betrachtet man Kunstwerke.
Handwerk als Kunst zu betrachten ist in der Schnelllebigkeit der letzten 70 Jahre leider verloren gegangen. Ein Problem, welches hauptsächlich Bauherren, zum gewissen Teil jedoch auch Handwerker verändern können.

Zu guter Letzt möchte ich noch einen weiteren, jedoch enormen Einfluss benennen, welchen das Handwerk auf mich ausgeübt hat. Es ist die Einflussnahme auf das direkte Umfeld. Ich wohne inzwischen mit drei weiteren Zimmerern in einem alten Bauernhaus, von denen machten zwei ebenfalls eine Ausbildung trotz Abitur. Tag für Tag erschaffen wir neue Dinge. Vom selbstgebauten Bücherregal bis hin zum eigens hochgemauerten und verputzten Kachelofen.

Artikel und Fotos/privat: Jakob Resas

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