In dieser Serie würdigt die FT-Abi-Plattform Kinder und Sportarten auf der Jugendseite, die teilweise öffentlich nicht so wahrgenommen werden.

Welche Kinder- und Jugendabteilung Interesse daran hat, mit Fotos präsentiert zu werden, wende sich an Klaus Schenck: Klaus [dot] Schenck [at] t-online [dot] de

 

Fahnen schwingen, Fahnen hochwerfen – nicht unbedingt die Sportart der Massen. „Und genau deswegen mache ich es, ich will etwas Besonderes, Extravagantes, mich Forderndes als Sportart haben, ich suche die Herausforderung“, so Bianca, die mehrfache Weltmeisterin im Fahnen-Hochwurf. Ganz so tough sind Lara und Ronja in ihren Formulierungen nicht, sie lieben diese Sportart, die bei den synchronen Wettkämpfen die Perfektion des Individuums in Dienst des gemeinsamen Auftritts stellt, alle gewinnen oder alle verlieren, auf dem Einzelnen wird nach einer Niederlage nicht herumgehackt, das ist Claus Böhlecke, dem Trainer, extrem wichtig. Schon das Training atmet eingeschworene Gemeinschaft, jeder ist integriert, eine Mischung aus Lockerheit in der Pause auf der Bank und absolute Konzentration bei den Übungen. Das Küken Loriel war erst dreimal dabei, – doch ist schon jetzt Feuer und Flamme, Griff- und Handhaltung hinzubekommen, ihr ist Trainer Böhlecke im wörtlichen Sinn Vorbild, er steht vor ihr und sie müht sich tapfer, die Übungen zu packen. Erst habe sie Angst gehabt, die Stange an den Kopf zu bekommen, die zwei Jahre ältere Schwester Michelle lachte sie nur aus, „Mensch, komm, stell dich nicht so an!“ und jetzt von Angst keine Spur mehr, sondern nur Begeisterung.

Über die Fahne werde die Musik interpretiert, so der Trainer. Zur Veranschaulichung zeigten Michelle und Ronja im Duett ihr Fahnenspiel zur Musik, mit dem sie bei den Süddeutschen einen Podestplatz erkämpften. Die Fahnenschwinger gehören zum Spielmannszug Tauberbischofsheim. Über die Begeisterung ihrer Kinder für diese Sportart kamen mehrere Mütter zum Spielmannszug, bereichern diesen mit Trommel, Fanfare, Lyra und geben im wörtlichen Sinn ihren Kindern den Takt vor, in dem diese sich bewegen, die Fahne schwingen. So wird aus der gewählten Sportart der Jugendlichen ein Sport, der die ganze Familie einbezieht, jeder gibt an seiner Stelle sein Bestes, alle gehören zur Familie „Fahnenschwinger“, dieses Gemeinsame steht wie eine Überschrift über allem, führt zur freudigen Trainingsdisziplin, zu immer neuen Erfolgen und schweißt Familien zusammen – Kinder, Geschwisterpaare, Mütter.

Schattenkinder vielleicht in der öffentlichen Wahrnehmung, aber „Sonnenkinder“ einer so ermutigenden und innerlich stärkenden Gemeinschaft.

 

 

 

Artikel und Fotos: Klaus Schenck

Trainingszeit: freitags, 18.30-20 Uhr, Turnhalle/Grundschule am Schloss

Kontaktadresse: Claus Böhlecke/ Claus [dot] Boehlecke [at] t-online [dot] de