Zu unserem Tag im Stuttgarter SWR-Funkhaus gehörte neben einer Vielzahl unterschiedlichster Workshops auch ein Rundgang und somit ein Einblick hinter die Kulissen des Fernsehens und Radios. Dieser Rundgang gab uns die einmalige Möglichkeit dort zu stehen, wo sonst die Nachrichtensprecher und Moderatoren ihren Platz haben. Studios wie die der Landesschau oder Brennpunkt durften wir genauer kennenlernen und feststellen, dass im Fernsehen eben doch alles anders aussieht. Räume, deren Decken man vor lauter Scheinwerfern kaum mehr sehen kann, sind der Alltag eines jeden Moderators. Gleich im ersten Studio unseres Rundgangs wurden alle unsere Einbildungen auf den Kopf gestellt. Angestrahlt von etlichen Scheinwerfern und vor drei Kameras muss sich der Moderator hier seinem Publikum, den gemütlich vor dem Fernseher sitzenden Zuschauer, stellen. Während dieses Studio im Fernsehen doch recht klein wirkt, waren wir vor Ort geplättet vom Ausmaß. Man erklärte uns, dass im Fernsehen immer nur Raumausschnitte gezeigt werden und dass hinter den Wänden farbige Lichter verarbeitet sind, damit die Wandfarbe Sendung und Thema angepasst werden kann.

Wer sich bei der Landesschau aktuell von Hintergrundbildern und freundlicher Atmosphäre blenden lassen hatte, wurde im nächsten Studiosaal eines Besseren belehrt.  Als nur eines von wenigen derartigen Studios in Deutschland fanden wir dort einen Raum vor, der von unserer Vorstellung her nur schwer als Raum zu akzeptieren ist. Zu grünem Boden und grünen Wänden kommt bei der sogenannten „Green-Box“  hinzu, dass die Wände keine Ecken haben. Hierdurch wird die maximale Ausleuchtung erreicht und die Bildung von Schatten verhindert. Moderator, Moderationstisch und grafisch erstellter Hintergrund landen so zusammengesetzt auf unseren Bildschirmen. Der Moderator ist bei derartigen Sendungen die einzige Person in der „Green-Box“, denn selbst die Kamera wird hier durch einen Roboter aus der Autoindustrie gesteuert, wobei dieser stark eingepackt ist, da er sonst natürlich viel zu laut wäre und die Aufnahmen stören würde.

Weiter ging’s zum Radio. Hier verwendet der SWR seit einigen Jahren das sogenannte„Selbstfahrerstudio“, bei welchem der Moderator nicht nur über sein Mikrofon spricht, sondern selbst die Musik und andere Beiträge einspielt. Nur Anrufe landen vor der Weiterleitung zuerst bei der Regie,mit welcher der Moderator per Wechselsprechanlage kommunizieren kann. Größtenteils auf sich allein gestellt, kann er auf einem der vielen Bildschirme im Studio den Ablaufplan einsehen, während ein anderer Bildschirm Verkehrsmeldungen anzeigt, die direkt von der Polizei übermittelt werden. Hierbei gilt gelber Hintergrund für Vorfälle wie Stau und roter Hintergrund für wichtige Meldungen wie Falschfahrer. Bei letzterem handelt der Moderator sofort, gegebenenfalls wird Musik oder Interview unterbrochen. Ein Moderator dieses Studios achtet also auf viele Dinge. Er kontrolliert die Lautstärke und passt die Musik mit den Beiträgen auf die Sekunde genau an, sodass keine Pausen entstehen.

Als Moderator ist also viel mehr gefragt als nur das Redetalent. Man darf kein Problem haben vor vielen Kameras oder sogar nur vor Kameras zu reden, muss sich ständigem Scheinwerferlicht aussetzen oder im Falle des Radiomoderators sogar Kopfrechnen beherrschen.