Videospiele nehmen inzwischen einen großen Teil des Alltags der heutigen Jugend ein und es gibt wohl kaum ein Spiel auf dem aktuellen Markt, das keine Fantasie-Elemente beinhaltet, doch warum sind diese Fantasiespiele so interessant? Man könnte ja auch genauso gut einen Fantasiefilm schauen oder ein Buch aus dem entsprechenden Genre lesen, warum also für Stunden vor dem Bildschirm sitzen, auf die Tastatur einhämmern?

Die Antwort ist einfach: In Filmen und Büchern ist der Protagonist vorgegeben, der Weg der Geschichte ist festgelegt. In Spielen ist die Geschichte im Grundriss zwar auch vorgegeben, aber man hat dennoch Freiraum, um seine eigene Version der Geschichte zu schreiben.

So gut wie jedes Spiel hat heutzutage einen Charakterersteller – mit anderen Worten: Man kann sich seinen Helden selbst zusammen basteln, man kann sich selbst nachbauen und als Hauptcharakter die Welt retten oder man erfindet eine ganz neue Person, die sich mit dem Fortschritt des Spieles entwickelt. Manche der Spiele geben dir sogar die Wahl zwischen Gut und Böse, der Weg hängt ganz von der eigenen Entscheidung ab. Je nachdem, welche Entscheidungen du im Spiel triffst, welche Nebenmissionen du machst, welche Gegenstände du verwendest und welche Fähigkeiten du für deinen Charakter auswählst, veränderst du die Geschichte, wenn auch nur ein kleines bisschen. Man kann sich seine eigene kleine Welt aufbauen, in der man selbst der Held oder Teil einer größeren Gruppe an Helden ist – je nachdem, ob man ein Einzelspieler-Spiel oder ein Mehrspieler-Spiel spielt.

Zudem kann man so ziemlich alles machen, was in der realen Welt dank den Regeln der Naturwissenschaften nicht möglich ist, wie z.B. Magie anwenden, telepathische Kräfte verwenden, aus unglaublichen Höhen in einen Heuwagen springen, auf Drachen reiten, Drachen töten, Drachenseelen essen, Ghule, Hexen, Greife und andere Monster zerstückeln, auf Einhörnern reiten, Flüche anwenden, tote Leute wieder zum Leben erwecken, zwischen den Dimensionen reisen und Bazillionen unterschiedlicher Nebenmissionen und Gegenstände entdecken.

Man muss jedoch nicht zwangsweise die Geschichte des Spiels durchspielen, nehmen wir zum Beispiel „Skyrim“, der fünfte Teil aus der „The Elder Scrolls“-Reihe, sobald man den ersten Fuß außerhalb des Einführungsgebietes auf den Boden setzt, steht die Welt einem komplett offen. Man kann die Hauptgeschichte durchspielen oder man schiebt sie komplett beiseite und rennt erstmal durch das ganze Land, um die Karte komplett aufzudecken und macht dabei noch alle Nebenmissionen. Selbst wenn man dann am Ende nicht der große Held ist, der Tamriel vor einem Drachen, der die Welt verschlingen will, gerettet hat, ist man dennoch bei den Bewohnern als fleißiger Helfer und tapferer Krieger oder vielleicht auch Magier-Meister oder der bester Dieb des Landes bekannt.

Die Faszination liegt ganz einfach in der Tatsache, dass man alles sein kann, egal was, man kann alles erreichen, selbst wenn man im realen Leben ein totaler Versager ist. In der eigenen virtuellen Welt ist man willkommen und hat einen sicheren Ort, an dem man einfach mal alles vergessen kann, selbst wenn es nur für eine kleine Weile ist.

 

Artikel: Veronika Lotz

wiika3101 [at] gmx [dot] de

eigene Fotostory (Leben in Ausgrenzung und Mobbing, die Bilder stammen aus dieser Fotostory):

http://www.klausschenck.de/ks/downloads/g61-fotostory-fantasie-linveron-neu.pdf