Eine Reise nach Berlin, und das alles auch noch völlig kostenlos?!“ Das war meine erste Frage, als Herr Schenck, der beratende Lehrer der „Financial T(`a)ime“, uns mitteilte, dass unsere Schülerzeitung vom Bundespresseamt in die Hauptstadt eingeladen wurde. So recht glauben konnte das niemand von uns, trotzdem freuten wir uns riesig und nahmen die Einladung natürlich sofort an, wobei wir uns wenig unter einer Journalistenfahrt vorstellen konnten. Als ich das Programm zum ersten Mal sah, war ich doch etwas geschockt, dass wir kaum Freizeit haben sollten und das Programm nur Punkte beinhalteten sollte, die mir auf den ersten Blick ziemlich langweilig erschienen. Vor Ort wurde ich jedoch komplett vom Gegenteil überzeugt: Diese Fahrt gehört zu den schönsten Momenten meiner Zeit mit der Schülerzeitung.

Doch erst einmal alles zu Beginn. Der Sonntag bestand aus der Anreise mit dem Bus und dem anschließenden Besuch des ehemaligen Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen. Erst am Montag ging das Programm richtig los. Nach einer Stadtrundfahrt gingen wir zur Bundespressekonferenz, für mich ein wirkliches Highlight der ganzen Fahrt. Wer hätte gedacht, dass wir Jugendlichen an einer Bundespressekonferenz mit Regierungssprecher Steffen Seibert und Vertretern der Ministerien teilnehmen dürfen?! Schließlich saßen wir in dem Raum unter einer Horde von Journalisten und verfolgten gespannt das Frage- und Antwortspiel der Reporter und den Vertretern. Um ehrlich zu sein, konnte ich dem ganzen Geschehen nur schwer folgen, die Fragen gingen stark in die Tiefe und ein exaktes politisches Grundwissen wurde vorausgesetzt. Auf die Fragen zur Ukraine, zur Rente ab 63, dem Abzug der Patriot-Abwehrraketen von der syrischen Grenze, zum Erneuerbaren Energien Gesetz und zum Stabilitätspakt gaben die Sprecher zwar ausführliche Antworten, viel Inhalt hatten diese meisten jedoch nicht und man merkte schnell, wann sie keine Antworten mehr geben wollten, auch wenn sie das nicht ausdrücklich sagten. Gleich, nachdem die Pressekonferenz beendet wurde, rannten wir regelrecht zum Pult, um unsere preisgekrönte Schülerzeitung den Vertretern zu übergeben. Schließlich schafften wir es tatsächlich an den Regierungssprecher heranzukommen, der sich ernsthaft für uns junge Journalisten und unsere Zeitung zu interessieren schien. Keiner der Restlichen unserer Journalistenfahrt hat diese einmalige Chance genutzt. Danach wurden wir bewundert für unseren Mut, aber auch für unseren Erfolg bei all den Vertretern. Noch beflügelt von dem erfolgreichen Ereignis ging es gleich zum nächsten Höhepunkt, dem Besuch des ARD-Studios. Zuerst bekamen wir allgemeine Informationen zur Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, die aus neun Landesrundfunkanstalten besteht und Fernsehprogramme wie „Das Erste“ oder „EinsPlus“ ausstrahlen und diverse regionale Fernseh- und Hörfunkprogramme betreiben. Beim Rundgang durch das Haus beeindruckte mich vor allem das TV-Studio, das sich jedoch unerwartet in einem der oberen Stockwerke befand. Grund dafür ist der Ausblick zum Reichstagsgebäude, wo das bundespolitische Magazin „Bericht aus Berlin“ – unter anderem mit Ulrich Deppendorf – gedreht wird. Ich war jedoch fast enttäuscht über die Größe des Studios, das ich mir um einiges größer vorgestellt habe. Trotzdem war ich beeindruckt von der Ausstattung, den vielen Lichtern und den Kameras. Den restlichen Tag verbrachten wir damit, das Reichstagsgebäude zu besichtigen. Nach diesem anstrengenden, aber auch tollen Tag fielen wir müde ins Bett. Am letzten Tag unserer Journalistenfahrt stand der Besuch des Bundespresseamtes im Mittelpunkt. Hauptsächlich erhielten wir einen Vortrag über die Arbeit und Aufgaben des Amts. Seiberts Mitarbeiter stellen aktuelle Informationen zusammen, die den Journalisten aber auch der Bundesregierung, der Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten übermittelt werden. Der Tag bestand nur noch aus aus dem Besuch des Auswärtigen Amtes, die restlich Zeit verbrachten wir mit Shoppen. Nach drei wundervollen, eindrucksvollen Tagen fuhren wir am Mittwochmorgen wieder nach Hause.

Mit der Rückfahrt endete für mich auch die aktive Zeit bei der „Financial T(’a)ime“, auch wenn ich diese Jugendseite weiterhin gestalten werde. Was in den knapp zwei Jahren mir die „Financial T(’a)ime“ an Chancen, Begegnungen und Erlebnissen bot, dürfte von keiner Schülerzeitung der Welt übertroffen werden. Es war atemberaubend, es war fordernd, es war einmalig! Das für mich persönlich Wichtigste war jedoch etwas anderes: Die ständigen Herausforderungen veränderten mich, sie gaben mir Sicherheit, Vertrauen und Stolz auf das Geleistete, sie zeigten mir meine Fähigkeiten und schenkten mir ein vorher so nie gekanntes Selbstbewusstsein. Eine Schülerzeitung als persönliche „Lebenschance“, daran hatte ich bei meinem Eintritt nie gedacht!