In Bezug auf die Artikelreihe „Zukunft in der Gegenwart – regionale Betriebe“ soll unsere Region auch in der neuen Serie „Gespräche junger Menschen mit prägenden Persönlichkeiten der Region“ in möglichst vielen Facetten näher gebracht werden. Für das 1. Gespräch stand Landrat Reinhard Frank persönlich zur Verfügung.

Einen ersten Eindruck vom Alltag des Landrates gewinnt man bereits während der Wartezeit vor dem Büro: Denn, obwohl es in keiner Weise hektisch zugeht, ist das Arbeitsvolumen nicht zu übersehen – und vor allem nicht zu überhören, da alle paar Minuten ein Telefon klingelt. Verständlich wird diese Tatsache, wenn man die Aufgabenvielfalt des Landratsamtes bedenkt, die vielen Bürgern (auch dem Autor vor der Recherche) gar nicht bewusst ist. Politiker, das sind Merkel, Schulz und Schäuble, aber die so wichtige kommunale politische Ebene hat nicht jeder gleich auf dem Schirm.

Der Landrat, der dem Kreisrat vorsitzt, ist zum einen untere staatliche Verwaltungsbehörde und verteilt in dieser Funktion z.B. EU-Fördergelder für Landwirte. Gleichzeitig ist er auch oberster Kommunalbeamter (sogenannte „Doppelstellung“), wobei er als solcher von den Kommunen durch die Kreisumlage finanzierte integrierte Aufgaben wie die Verwaltung der Mülldeponien verantwortet. Frank erläutert zu diesem großen Spektrum: „Der größte Ausgabenposten ist mit ca. 75 Mio.€ der soziale Bereich, es folgen die beruflichen Schulen und das Gesundheitswesen“. Doch mit der Organisation des öffentlichen Nahverkehrs, den Kreisstraßen, der Wirtschafts- und Kulturförderung und dem Kloster Bronnbach zeigt sich die hohe Diversität der Tätigkeitsfelder, was den Landrat dazu verleitet, DEN Vorteil seines Berufes zu erörtern: „Es gibt kaum einen Job, der so vielfältige Bereiche beinhaltet, der so intensiv und breit ist. Das ist der entscheidende Vorteil: Man kann sich seine Schwerpunkte aussuchen. Ja, es ist das schönste Amt, das es gibt.“ Franks Fokus liegt dabei im Gesundheitswesen, sowie im Schul- und Sozialbereich. Mit Verweis auf die am Vortag des Gespräches stattgefundene Kreistagssitzung zur regionalen Schulentwicklung der beruflichen Schulen konstatiert er, dass alle drei Standorte erhalten bleiben sollen und in weitere Ausbildungsinhalte und in Ausrüstung für die Schulen investiert wird: „Die beruflichen Schulen sind und bleiben Schwerpunkt der Kreispolitik.“

Überhaupt kann man das Thema „Investitionen“ besonders großschreiben: Vor kurzem wurde der Startschuss für den Breitbandausbau gegeben (bis Ende 2018 sollen 99% der Haushalte mit 50 Mbit/s versorgt sein), außerdem soll der Verkehrsweg der Frankenbahn (Stuttgart-Heilbronn-Würzburg) durch den englischen Anbieter „Go-Ahead“ verbessert
werden.

Ersichtlich ist, dass sich sehr viel tut, dass das breite Aufgabenfeld zudem die Attraktivität des Landratsamtes als Arbeitgebe ist. Und auch hier wird Personal, vor allem in technischen Berufen, gesucht. Wer sich für Politik interessiert, muss nicht gleich in den Bundestag schauen: Handlungen des Landrates und Beschlüsse des Kreistages sind viel näher und haben direktere Konsequenzen. Grund genug, sich auch einmal eine Sitzung des Kreistages anzuschauen und eigene Gedanken hier einzubringen. Denn: Prägende Persönlichkeiten für diese Region sind wir alle.

Artikel: Pascal Frank

Bild: Büro des Landrates