Viele Oberstufenschüler sind darüber frustriert, dass die Dinge, die sie in der Schule lernen, meist außerhalb ihres Interessenbereichs liegen. Oder können, ohne Abwechslung, auf Dauer frustxIMG_6069rierend sein. Auf die Bitte von einigen Schülern des TG wurde dort das erste Mal auch für das Technische Gymnasium Tauberbischofsheim das Wahlfach "Psychologie" angeboten. Unter der Leitung von Herrn Schenck, welcher die letzten Jahre dieses Fach versucht hat den Schülern des WG näher zu bringen, durften wir uns stundenlang auf eine Präsentation vorbereiten, anschließend eine gefühlte Ewigkeit damit verbringen eine Hausarbeit zu schreiben, nur um anschließend wieder eben darüber eine Präsentation zu halten, welche ebenfalls wieder Zeit schluckte. Parallel dazu noch jede Woche in unser Glückstagebuch schreiben, um den anderen den glücklichsten Moment unsere Woche mitzuteilen. Hört sich echt aufregend und spannend an, nicht wahr? Ist es auch! Denn auch wenn sich die Mehrheit unserer Gruppe darüber einig ist, dass wir xIMG_6259diesen Arbeitsaufwand wahrscheinlich nicht einmal ins Abitur stecken werden, so hat es doch Spaß gemacht und war interessant. Denn jeder von uns durfte sich bei diesen Hausarbeiten und Präsentationen Themen aussuchen, welche ihn selbst interessieren. Das ist eine unglaubliche Arbeitsmotivation! Und interessant. Denn auf diese Weise wurden wir von unseren Mitschülern mit Themen konfrontiert, mit denen wir uns wahrscheinlich nie auf diese Art auseinandergesetzt hätten. Es wurden Themen besprochen wie der Konsum von Cannabis, aber auch z.B. das Bergsteigen und seine Tücken. Die selbstständige Vorbereitung und die viele Arbeit, die man daheim am Schreibtisch verrichten muss, stellt zudem auch noch eine gute Vorbereitung auf die Uni dar. Und eben, weil jeder freiwillig da ist, um etwas zu lernen, und weil jeder mit vollem Interesse dabei ist, herrscht auch immer eine gute Stimmung und eine entspxxDSC07201annte Atmosphäre, wie ich sie in der Schule selten erlebt habe. Jeder ist dazu in der Lage, frei seine Meinung zu äußern und diese mit den anderen zu diskutieren, und jeder traut sich das auch. Und keiner ist im Anschluss beleidigt, nur weil er sich nicht durchgesetzt hat. Das Glückstagebuch fand überraschenderweise auch großen Anklang. Es wird zwar von jedem anders genutzt, manche schreiben ganze Romane, andere in Stichworten, was für sie der glücklichste Moment der Woche war, aber jeder teilt sich mit. Ob es noch zu weiteren Psychologie-Kursen beim TG kommen wird, das steht in den Sternen. Immerhin ist es ein Wahlfach. Zu empfehlen wäre es. Herr Schenck verlangt zwar eine Menge an Arbeit und Einsatz von einem, aber er ist "Scho' recht!", wie der schwäbische Volksmund zu sagen pflegt, und kein Unmensch, der mit Peitsche und Stock das letzte Fünkchen "Lebenswille" mit seinen Arbeitsaufträgen aus einem heraus prügelt. Persönlich hat der Psychologiekurs für mich auch den Sinn gehabt, dass ich endlich wieder Lust darauf hatte, etwas zu lernen. Auch dass ich nicht frustriert war, weil alles zu langsam oder zu schnell ging, sondern dass ich alles in dem Tempo, welches für mich richtig war, bearbeiten konnte.

Name: Raphael J. Schmid Mail: raphaelschmid2 [at] web [dot] de