Während der letzten neun Monate am WG TBB sind mir als Austauschü2015-05-20 17.48.52lerin einige Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Schulsystem aufgefallen. Ich habe 2014 ein Stipendium des PPP (Parlamentarisches Patenschafts-Programm) zwischen dem amerikanischen Kongress und dem Bundestag bekommen. Meine Zeit hier hat mich komplett verändert und ich würde nicht zögern jedem, der mich danach fragt, ein Austauschjahr zu  empfehlen.

In Amerika ist die Schullaufbahn ein bisschen anders. Im IMG-20150520-WA0021-1Alter von 6 Jahren beginnen die Kinder mit der „ Elementary School“, die sie bis zur 5. Klasse besuchen. Danach gehen alle auf die „Middle School“, wo sie von der 6. bis zu 8. Klasse unterrichtet werden. Von der 9. bis zur 12. Klasse besuchen alle Schüler die „High School“. Im Unterschied zu Deutschland gehen wir alle auf die gleiche Schule. Von der 6. bis zur 12. Klasse können wir in jedem Fach zwischen unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen wählen. Deswegen können wir nicht mehr alle zusammen in einer Klasse unterrichtet werden. Am WG habe ich 13 Fächer, in Amerika haben wir ein breiteres Angebot an Fächern, aber wir müssen uns in einem Schuljahr für 8 davon entscheiden. Mir gefällt die Gewichtung der Fächer im Stundenplan in Deutschland besser, weil die weniger wichtigen Fächer nicht so oft unterrichtet werden. Wenn ich den deutschen Stundenplan mit den amerikanischen Fächern kombinieren könnte, wäre das für mich perfekt.

Meine Schule in Amerika benutzt den „AScreenshot_2015-05-20-16-57-44-1/B“ Stundenplan. Bei uns bekommt jeder Schüler seinen eigenen Stundenplan nach folgendem System: Mo(A); D(B); Mi(A); Do(B); Fr(A) und in der nächsten Woche ist es umgekehrt: Mo(B)… Der Unterricht dauert jeden Tag von 7:15 – 15:00 und es werden 4 Fächer unterrichtet, immer in der gleichen Reihenfolge. Wegen der Trennung von Kirche und Staat gibt es in Amerika keinen Religionsunterricht, außer an einigen Privatschulen.

Unsere Notenskala geht nicht von 1-6, sondern von A-E und wir be
kommen viel mehr2015-05-20 17.48.04 Noten: Klassenarbeiten, Quizzes, Tests, Aufsätze, Präsentationen und die Mitarbeit in Unterricht. Im Unterschied zu Deutschland zäh
lt die Mitarbeit nur 10%, die Lehrer können meine Noten also nur wenig beeinflussen.

In Deutschland braucht man für den Start an der Uni das Abitur, wofür die Noten der letzten 2 Schuljahre angerechnet werden. In Amerika braucht man eine Vielzahl von Nachweisen, um sich an einer guten Uni zu bewerben: 26 credits (die man ab Klasse 7 sammeln kann), G.P.A. (s.u.), SAT oder ACT (außerschulischer Test von der Organisation „Collegeboard“ in Klasse 11) soziale und sportliche Aktivitäten, Transkript (Notenübersicht der Highschoolfächer ab Kl. 7). Sicher könnt ihr euch vorstellen, wie viel Stress es für die Schüler bedeutet, möglichst überall gute Leistungen zu erbringen.

Jetzt erkläre ich den GPA (Grade Point Average). Der GPA hat eine Benotungsskala von   0 – 4,0. Die Prozentzahlen 1-100 haben eine entsprechende Note in Buchstaben. Zum Beispiel liegt Note „A“, die in Deutschland als Höchstnote „sehr gut“ gew
ertet wird, zwischen 93%-100%. Jedes Jahr werden alle Endnoten der Highschoolfächer zusammengezählt, um einen Durchschnitt zu errechnen. Die ausgerechnete Prozentzahl bildet eine Nummer zu dem dazugehörigen Notenwert. Zum Beispiel ist eine „A“ als Notenwert eine 4,0. Am Ende der High School werden alle GPAs von der 7.-12. Klasse zusammIMG-20150520-WA0012-1engerechnet, um eine Gesamtleistung der Jahre festzulegen. Das bedeutet, dass von der 7. Klasse bis zur 12. Klasse alles bewertet wird von den Hausaufgaben bis zu
den Klassenarbeiten. Das trägt dazu bei, dass schon früh sehr viel Druck auf uns Schüler ausgeübt wird, gut in der Schule zu sein, um sich für die Zukunft alle Möglichkeiten offen zu halten. Ich finde das System in Deutschland einfacher und weniger stressig.

Eine Sache, die mir in Amerika besser gefällt, sind die ganzen Clubs und unser SchIMG-20150520-WA0011-1ulsport-Angebote. Sie erzeugen Gemeinschaftssinn zwischen den Schülern und eine viel persönlichere Schüler-Lehrer-Beziehung. Jeder Trainer muss ein Lehrer an der Schule sein, so dass die Schüler sich ihren Lehrern verbunden fühlen und sie um schulischen und persönlichen Rat bitten können. Mobbing ist in den USA und auch an unserer Schule ein großes Thema, aber ich persönlich habe nie einen Mobbing-Fall an einer Schule erlebt.

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Artikel: Kaitlyn Marshall