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Das TG, nicht gerade ein Ort der Dichter und Denker, sondern eher die Absteige für Verrückte und Nerds, so denken viele. Doch ist dieses Vorurteil begründet? Zweifellos sollte man sich ein wenig für Technik oder zumindest Naturwissenschaften begeistern und ein wenig Begabung für logisches Denken mitbringen, wenn man an das Technische Gymnasium gehen möchte. Doch keinesfalls muss man dick und so soz1ial kompetent sein wie ein Stein. Vielmehr sollte man vor allem eines mitbringen: Motivation. Denn was das TG am deutlichsten von anderen Schulen unterscheidet, ist Spaß. Spaß am „Zur-Schule-Gehen“. Das klingt zunächst natürlich widersprüchlich. Ein Schüler hat keinen Spaß an der Schule, das ist ungeschriebenes Gesetz. „Die Schule hat ihr Ziel erreicht, wenn die Schüler nach Abschluss dieser jegliche Motivation am eigenständigen Lernen verloren haben.“ Sollte dieser Satz eines Tages von einem Kultusminister ausgesprochen werden, so wird endlich einmal das eigentliche Ziel der Bildungspolitik klar definiert. Das Einzige, was dieser Entwicklung entgegensteht, sind Lehrer, die versuchen den Schülern wenigstens ein bisschen Vernetzung zum realen Leben und Spaß am Lernen zu vermitteln. Eine der höchsten Konzentrationen solcher Lehrer findet sich am Technischen Gymnasium in Tauberbischofsheim. Hier gehen sowohl Lehrer als auch Schüler motiviert ein und aus und haben Spaß daran zu lehren und belehrt zu werden. Was hier steht, klingt zunächst wie ein Leitfaden, den man zwar liest und schön findet, aber dann gleich wieder weg legt und nicht mehr beachtet. Und natürlich ist es nicht genau so, auch am TG gibt es den einen oder anderen Tag, an dem die Begeisterung nicht auf einem so hohen Niveau ist und natürlich gibt es auch mal Unmut über bestehende Verhältnisse, als unverhältnismäßig wahrgenommene Klausuren, schlechte Noten oder unwillige Schüler. Doch eine weitere Eigenschaft, die das TG auszeichnet, ist die offene Kommunikation und der Wille zur Lösungsfindung zwischen Lehrkräften, Schulleitung und Schülern. Man sollte es kaum glauben, aber am TG kommt es nicht selten zu einem offenen Austausch zwischen Lehrern und Schulleitung und dieser Austausch bewirkt dann auch noch etwas. Und was man noch weniger glauben kannBild 1, ist die Tatsache, dass es sogar einen Austausch zwischen Schülern und Lehrern gibt, welcher nicht erst über die Schulleitung oder Eltern geht. Es ist hier keine Seltenheit, dass Schüler offen ihren Unmut über einen Sachverhalt dem Lehrer gegenüber aussprechen und gleichzeitig offen für eine Lösungsfindung sind und dann gemeinsam mit dem Lehrer nach einer Lösung suchen. Umgekehrt kommt es natürlich auch vor, dass sich Lehrer bei ihren Schülern beschweren und faszinierenderweise kann man dann bei den Schülern sogar eine Reaktion feststellen, die nicht nur Ablehnung enthält. Vermutlich ist solch ein zwischenmenschliches Verhältnis an nur ganz wenigen Schulen gegeben, und wenn man nochmal die Chance haben möchte, in der Schule Spaß am Lernen zu bekommen, sollte man ans TG gehen. Natürlich muss man eine Bedingung erfüllen: Fragen wie: „Was ist eigentlich Wechselstrom und wie funktioniert er?“, „Wie genau kommt es dazu, dass sich das Tor öffnet, wenn ich auf den Knopf drücke?“ oder „Wie macht die Mikrowelle das Essen warm?“, dürfen einen nicht kalt lassen. Denn solche Fragen werden am TG beantwortet und ermöglichen eine neue Sichtweise auf die Geschehnisse, die wir jeden Tag beobachten. Denn am TG findet man vermutlich keine Dichter, wohl aber Denker. So hat es keinen Sinn ans TG zu gehen, wenn man wahnsinnig gerne malt, doch möchte man die technische Welt, die wir jeden Tag zu sehen bekommen, etwas besser verstehen lernen, so ist man am TG gut aufgehoben.

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Artikel: Constantin Krause, cmakrause [at] gmx [dot] de