„Trotz Abistress in der 13. Klasse nochmal zwei zusätzliche Kurse besuchen? Da muss xIMG_6424wohl jemand dringend seinen Notenschnitt aufpolieren.“

Nein – gänzlich falsch. Mit einem Erklärungsansatz über Noten lassen sich die Beweggründe der Teilnehmer des Psychologiekurses von Klaus Schenck überhaupt nicht abbilden. Doch warum machen sie es dann? Was veranlasst die Abiturienten, Zeit und Mühe in einer der stressigsten Phasen ihres bisherigen Lebens für diesen Kurs aufzuwenden?

Hier lässt sich eine ganze Reihe an Argumenten anführen, die das beengte „Lehrer-Noten-Konzept“ der Schule durchbricht und in der Summe etwas vollkommen Neues bietet.

Als Erstes ist ganz klar das außergewöhnliche Angebot von Herrn Schenck zu nennen. Im Laufe des vergangenen Schuljahres kamen – dank des Engagements des Kursleiters – gleich mehrere Gäste zu Besuch, beispielsweise eine Psychologin, eine Heilpraktikerin für Psychotherapie oder Matthias Behr. Das sind Begegnungen, von denen der Durchschnittsschüler normalerweise xxxIMG_5040meilenweit entfernt bleibt.

Auch die durchdachte Wahl des Leitthemas des 1. Schulhalbjahres, „Krisenbewältigung“, stellte ohne Zweifel eine Horizonterweiterung für jeden dar, der bereit ist, Neues zu lernen und besser gerüstet den künftigen Herausforderungen des Lebens begegnen zu wollen. Wir lernten, wie wir selbstbewusster und optimistischer unvermeidbare Tiefphasen überwinden können – das ist etwas, dass qua Thema jeden zu einem Betroffenen macht und entsprechendes Interesse bei uns hervorrief.

Noch „persönlicher“ konnte es dann im 2. Halbjahr werden, in dem jeder ein völlig freies, selbst gewähltes Thema präsentierte, mit welchem er sich zuvor intensiv in einer Hausarbeit auseinandersetzte. Hier konnte sich das Gegenstück zum Engagement von Herrn Schenck entfalten, indem den Abiturienten de facto keine Grenzen gesetzt wurden und sie den Unterricht (wenn man ihn überhaupt als solchen bezeichnen kann, denn die Assoziation mit diesem Begriff trifft nicht die Realität) ihrerseits mit Gedanken, Erlebnissen und Interessen füllten.

FührtJan-04 man diese Aspekte zusammen, ergibt sich das charakteristische Gesamtbild des Kurses und die nur sekundäre Bedeutung von Noten leuchtet jedem ein: Im Mittelpunkt stehen nämlich das individuelle Interesse und der Nutzen für jede Persönlichkeit – unabhängig von Studium, Ausbildung und eben Noten.

Darum lautet meine Empfehlung an alle, die auch einmal vor dieser Wahl stehen: Macht es! Man nimmt einfach nochmal viel mehr mit und erlebt „Schule“ einmal von einer ganz anderen Seite. Besonders jene, die meist auch vollkommen zu Recht die mangelhafte praktische Anwendbarkeit von Schulwissen kritisieren, sollten diesen Kurs besuchen: Hier lernt man wahrlich etwas fürs Leben.

Und hat man dafür während dem Lernen für das Abitur Zeit? Diese Frage stellt sich im Prinzip erst gar nicht. Denn Zeit für das Leben zu lernen hat jeder zu jeder Zeit.

Pascal Frank - hohe Auflösung

 

Artikel: Pascal Frank

Fotos: Marina Wittmann