Fakt 1: Das Jugendwort 2014 ist ein Satzläuft bei dir

Seit 2008 kürt der Langenscheidt-Verlag jährlich das Jugendwort des Jahres. Jugendliche im deutschsprachigen Raum können dafür Vorschläge im Internet einreichen und für ihre Favoriten stimmen. Über die siegenden Begriffe entscheidet anschließend eine Jury. Anders als vergangene Gewinner wie „Yolo“ (2012) oder „Babo“ (2013) wurde das diesjährige Jugendwort – widersprüchlich – kein Wort, sondern ein (grammatisch unvollständiger) Satz. „Läuft bei dir“ ist sozusagen das Jugendwort 2014. Der Jugendwörter-Sammlung „100% Jugendsprache 2015“ zufolge ist es eine vergleichbare Redewendung für „Du hast es drauf!“. Gleichzeitig bedeutet der Satz „cool“ oder „krass“ und wird auch ironisch gebraucht.

 

Ice bucket Challenge Business EPS.10Fakt 2: Nasse Menschen spenden dank Facebook

Unzählige Videos sammelten sich in diesem Sommer auf unseren Facebook-Pinnwänden. Darin zu sehen waren Leute, die einen Eimer mit eiskaltem Wasser über dem Kopf ausleerten. Anlass war eine Spendenkampagne der ALS Association (ALSA). In der Öffentlichkeit schaffte sie damit große Aufmerksamkeit für die Nervenkrankheit „Amyotrophe Lateralsklerose“ und sammelte finanzielle Mittel für deren Erforschung und Behandlung. Teilnehmer der „Ice-Bucket-Challenge“ konnten weitere Personen zum Mitmachen und Spenden nominieren. Nicht jeder, der dem Trend folgte und sich beim „Baden gehen“ filmte, hatte den Grundgedanken des Projekts im Sinn. Doch viele Leute wurden dazu animiert, (mit oder ohne Video) tatsächlich etwas Gutes zu tun. Mit einer Spendensumme von über 1 Millionen Euro kann sich die ALS-Ambulanz nun ausreichend finanzieren. Zahlreiche Spenden gingen auch regionalen Verbänden, Tafeln und weiteren Hilfsorganisationen zu Gute. Gelegentlich braucht es eben „verrückte“ Aktionen, um Großartiges zu bewirken. Unterhaltsam war es definitiv.

 

Fakt 3: Seit Brasilien hat Deutschland vier SterneDeutschland Weltmeister 2014 - Herz und Sterne

Während der langen Spielzeit des WM-Finales war die Stimmung der Schland-Fans eher angespannt als ausgelassen. Schließlich gab es trotzdem Grund zum Feiern. Nach ‘54, ‘74 und ‘90 war 2014 das Jahr, indem Deutschland am 13. Juli „mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein“ erneut Fußball-Weltmeister wurde. Im Spiel gegen Argentinien verwirklichte sich die deutsche Nationalmannschaft den „Traum von Rio“ und schnappte nach dem vierten Stern für die Heimat. Der 1:0-Sieg ist dem Gewinnzug des Bundestrainers Jogi Löw zu verdanken. Gegen Ende der zweiten Halbzeit wechselte er den Mittelfeldspieler Mario Götze für Miroslav Klose ein. Während die Zuschauer in der Verlängerung zitterten und beteten, schoss Götze in der 113. Minute das ersehnte Siegestor. Schade nur, dass Sportfreunde Stiller keine dritte Version ihres WM-Hits von 2006 aufgenommen haben.

 

Vector symbol of male beard  and female lips with flagFakt 4: Die Wurst macht die Musik

Die erfolgreichste Wurst 2014 trägt Kleid, brünette Haarpracht und Bart: In Kopenhagen gewann Conchita Wurst mit „Rise like a Phoenix“ den Grand Prix für Österreich. Doch schon im Vorfeld des 59. Eurovision-Songcontests gab es öffentliche Zweifel und Kritik an der Sängerin. Auf dem Pass heißt die 26-Jährige Dragqueen nämlich Thomas Neuwirth und ist ein Mann. Allen Widerständen zum Trotz siegte sie (oder er) am 10. Mai mit einem Spitzenergebnis von 290 Punkten. Entgegen dem vermittelten Traumbild von Toleranz in Europa blieb das Tauziehen der polarisierten Meinungen allerdings auch nach Ende des Wettbewerbs bestehen. Während Conchita Wurst von den einen als Witzfigur verspottet wird, sehen andere sie als Symbol für gegenseitige Rücksichtnahme unter uns grundverschiedenen Menschen und Vorbild in Sachen Selbstbewusstsein. Der bahnbrechende Sieg bleibt hoffentlich ein Denkanstoß für unsere Gesellschaft dieses modernen Zeitalters, das durch eine konservative Grundhaltung geprägt ist.

 

Fakt 5: Das Jahr ist vorbei, aber es hört nicht auf

Im Rückblick ist es erstaunlich, welche schönen und lustigen Momente das zurückliegende Jahr mit sich gebracht hat. Im Alltag geraten diese leider schnell in Vergessenheit, da wir uns stets auf die eigenen Herausforderungen und Ziele fokussieren müssen. Dabei sollten wir jedoch das Leiden und die Katastrophen in unserem Umfeld und der ganzen Welt nicht vergessen. Schlechte Bilder zu verdrängen ist natürlich eine sinnvolle Schutzfunktion des Menschen, um nicht selbst einer pessimistischen Grundeinstellung zu verfallen. Umso mehr sollten wir unsere schönen Erinnerungen wertschätzen. Dadurch lernen wir, glückliche Momente und Freude bewusster wahrzunehmen. Immerhin sind es die kleinen Dinge, die der Alltäglichkeit etwas Besonderes verleihen können.

Glücksbringer und Stein auf Holz, 2015

In diesem Sinne wünscht euch die Redaktion der Financial T(‘a)ime einen guten Rutsch in ein neues aufregendes Jahr 2015!