Was macht die wahre Qualität journalistischen Arbeitens aus – und was macht eine Zeitung zu einer würdigen Online-Zeitung? Wie vieler Klicks bedarf es, damit eine Seite als Erfolg gelten darf? Diese und weitere Fragen stellen sich derzeit eine Handvoll von Kommentatoren in einer Diskussion bei wikipedia. Thema ist die Löschung unserer Seite aus der weltweit größten Online-Enzyklopädie. Bei dieser Frage geht es um mehr als nur rationale Argumente; da ist plötzlich die Idee der Schülerzeitung insgesamt in Frage gestellt. „Welchen Sinn hat es weiterzumachen?“, mag man sich denken. „Wozu das alles, wenn wir so wenig öffentliche Wertschätzung erfahren?“ Es ist dies ein Schlag gegen unser Selbstverständnis als Schülerzeitung, der uns trifft und zutiefst betroffen macht. Dies auch, aber längst nicht nur, weil es ein Privileg ist, bei wikipedia veröffentlicht zu sein.      Es schmerzt, wenn man die Gleichgültigkeit und Abschätzigkeit so mancher Kommentatoren liest. Und es macht betroffen, dass eine Schülerzeitung, die so erfolgreich ist wie die unsere, mit Missachtung und Verächtlichkeit gestraft wird.

Vielleicht ein Merkmal unserer Zeit, dass freiwilliges Engagement nicht mehr gewürdigt wird? Als Lehrer weiß ich, zu welch beachtlichen Leistungen meine Schüler innerhalb und außerhalb des Unterrichts fähig sind. Dass sie im Rahmen des Schülerzeitungsprojekts über sich hinausgewachsen sind und manchmal ihre eigenen Stärken erst so richtig erkannt haben. Auch erinnere ich mich, wie vergangene Redaktionen durch die Arbeit zu einem richtigen Team zusammengewachsen sind. Ich weiß gleichwohl auch, dass Schülerzeitung Kraft und Mühe kostet. Als Administrator und nunmehr beratender Lehrer habe ich Tausende Stunden meiner Freizeit in die Zeitung investiert – und ich habe es gern gemacht! Schülerzeitungsarbeit ist nichts, was man zwischen Tür und Angel betreibt, nichts für Unentschlossene und Zauderer. Wer sich hier engagiert, der muss es mit Herzblut tun und muss es wollen. Ganz oder gar nicht. Im Gegenzug bekommen unsere Redakteure einen Einblick in die Welt des Journalismus. Zwar können wir längst nicht mit „echten“ Zeitungen konkurrieren und wollen dies auch nicht. Aber wir wollen Menschen erreichen, die sich für unsere Region und deren Geschichten interessieren. Diese Einstellung hat die Schülerzeitung unter jahrelanger Leitung von Klaus Schenck zu einem Erfolgsmodell gemacht, über das man nur staunen kann. Die Financial T(‚a)ime ist weit über die Grenzen Nordbadens bekannt und gehört zu den besten Schülerzeitungen unseres Landes. Die vielen Preise und Auszeichnungen, die sie die vergangenen Jahre erhalten hat, sprechen für ihre Qualität und zeigen, dass unsere Einzigartigkeit durchaus wahrgenommen wird. Unsere Redakteure waren bei Rundfunk-und Fernsehsendungen und immer wieder erscheinen wohlwollende Artikel auch in der regionalen Presse. Soll das nichts sein?

Wir sind bekümmert und empört über die Darstellung, unsere Zeitung sei eine „StiNo“-Zeitung – d.h. stinknormal! Daher bitten wir die Verantwortlichen von wikipedia, die Löschungsanfrage abzulehnen und ein Zeichen zu setzen. In den Redaktionen deutscher Schülerzeitungen entsteht die Begeisterung für journalistisches Arbeiten. Es ist ein Funke der Begeisterung, der in jungen Menschen Engagement und Leidenschaft entzündet. Welche Botschaft ist es, wenn man diese Begeisterung dämpft? Wir kennen die Motive nicht, die hinter dem Löschgesuch stehen. Wir wissen nur: Wer solch eine Anfrage stellt kann nie selbst erfahren haben, was es heißt, Mitglied in einer Schülerzeitung zu sein.      Wie auch immer wikipedia entscheiden wird, unsere Schülerzeitung bleibt bestehen, inmitten aller Anfeindungen und üblen Nachrede, damit das bekannte Wort des Dichters Victor Hugo wahr werden möge: „Nichts, auch nicht alle Armeen der Welt, kann eine Idee aufhalten, deren Zeit gekommen ist.“ 

 

Eure

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