Lehrer zwischen Frust und Freude


Meine Name ist Klaus Schenck, ich bin natürlich nicht nur der beratende Lehrer der Schülerzeitung, sondern unterrichte auch meine Fächer Deutsch, Religion und als Wahlfach "Philosophie-Psycholgie". Bei vielen Schülern vermisse ich Ehrgeiz, Wille und Fleiß. Die Referate sind teilweise schlecht vorbereitet, die Hausarbeiten mit wenig Engagement verfasst. Natürlich gilt dieses negative Urteil nicht für alle Schüler. Ich habe von meinen Schülern gelernt, dass ohne Druck und ohne eine gewisse Härte nichts läuft, also die Schüler nicht vorangebracht werden. Woher weiß ich das? Ich machte eine Umfrage in einer mir fremden 11. Klasse, sodass die Schüler ehrlich antworten konnten. Diese Antworten waren umwerfend (= sehr erstaunlich)! Ich werde die Schüler-Antworten in diesen Artikel einbauen. Weil es nicht ermutigend ist, es ständig mit Schülern zu tun zu haben, die keine Lust auf Schule und Leistung haben, habe ich das Fach "Philosophie-Psychologie" nicht nur ins Leben gerufen, sondern auch nach meinen Ideen gestaltet.

Hier die Ideen:
1. Das Fach ist freiwillig.
2. Die Schüler wählen ihre Referatsthemen selbst.
3. Die Schüler schreiben ihre Hausarbeit zu dem Thema, das sie interessiert, das Interesse des Schülers steht ausschließlich im Zentrum.

Endlich habe ich wenigstens einmal in der Woche einen Kurs mit ausschließlich interessierten Menschen, die gute Referate halten und engagierte Hausarbeiten verfassen. Es ist sehr ermutigend, so einen Kurs zu haben. Dieser Kurs gibt viel Kraft, um das Normale der Schule, also Desinteresse, Gleichgültigkeit und fehlendes Engagement, leicht wegzustecken (= ertragen), um dann auch im normalen Unterricht mit Freude und "Power" zu unterrichten. Das kommt dann besonders den fleißigen Schülern zugute, die ich natürlich auch habe, die aber teilweise auch unter dem Desinteresse ihrer Mitschüler leiden. Ich bin gerne Lehrer, weil ich zu Schule und Schülern eine gewisse Distanz habe. Ich bemühe mich nicht alles persönlich zu nehmen. Die Schüler sind wie Schüler und meinen es nicht böse, viele haben einfach keinen Bock (= keine Lust) auf Schule, das ist keine große Neuigkeit. Wichtig ist, dass ich nach wie vor mit Sympathie meinen Schülern begegne, meine Fächer liebe und von desinteressierten, gleichgültigen Schülern mich nicht herunterziehen (= verderben) lasse.

Dieser Artikel ist folgendermaßen aufgebaut:
1. ein allgemeiner Teil (siehe oben)
2. die Umfrage bei den Schülern mit vielen Schülerantworten
3. die Vorstellung meines Faches "Philosophie-Psychologie"

Jeder kann in dieser Artikelsammlung nun seine eigenen Schwerpunkte suchen!
Viel Freude beim Lesen!

www.KlausSchenck.de (Deutsch-Homepage)
Video-Sendung zu "Philosophie-Psychologie": www.schuelerzeitung-tbb.de

ArtikelschreiberArtikel: Klaus Schenck MailKlaus.Schenck@t-online.de





Schüler - meine besten Ratgeber


img1Als ein Kollege in einer mir fremden 11. Klasse ausfiel, nahm ich die Chance wahr, in mehreren Stunden eine Umfrage und Fotos zu machen. Die Schüler sollten in Briefform zu zwei Aspekten Stellung beziehen:

1. Wie siehst du die heutige Jugend (vorgegebener Beginn: "Die heutige Jugend.")
2. Wie würdest du als Lehrer dich verhalten (vorgegebener Beginn: "Als Lehrer würde ich.")

Die Klasse wusste, dass sie mich unter normalen Umständen nicht als Lehrer bekommen wird, sie also unabhängig von strategischen Überlegungen schreiben konnten. Die Klasse wusste aber auch, dass ich die Umfrage für einen Artikel benutzen werde, für den auch die Fotos bestimmt waren. Ich habe im Laufe vieler Jahre immer wieder erfahren, dass Schüler in Schülerfragen die besten Ratgeben sind! Sie machen sehr durchdachte, meist harte Vorschläge, solange es sie selbst nicht betrifft! Diese Umfrage wird meinen Unterricht verändern, und zwar zigmal deutlicher als durch alle Lehrer-Fachartikel, die meist von Leuten verfasst werden, die nicht vor der Klasse stehen. "Vom sichern Port läßt sich's gemächlich raten" (Schiller: Wilhelm Tell), es ödet langsam nur noch an! Wenn all die Ratgeber, deren Ratschläge gerade deshalb besonders klar und einfach sind, weil sie den Schulalltag in all seinen Facetten nicht kennen, wenn all diese Ratgebermassen uns Lehrer unterstützen würden, hinter uns stünden, uns und damit auch die Schüler stark machten, sähe die Schulwelt anders aus!
Ich will weder wissenschaftlich noch statistisch korrekt sein, ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut, ich lasse mich von jungen Menschen aus Fleisch und Blut beraten, um einen guten Unterricht für Menschen aus Fleisch und Blut zu machen! Punkt! Ich unterrichte nicht den Durchschnittsschüler aufgrund einer Untersuchung an 500 Schulen im ganzen Bundesgebiet! Ich habe bewusst die unterschiedlichen Sichtweisen der Schüler so stehen lassen, wie sie es formuliert haben. Ich war über die differenzierte Meinung oft erstaunt und werde mich im nächsten Schuljahr an der Lehrer-Nase packen und sie nach Schüler-Ratschlägen richten! Ich möchte der Klasse 11.2 (Schuljahr 2009/10) am Wirtschaftsgymnasium Tauberbischofsheim für ihre Offenheit bei dieser Umfrage und für die Fotos danken, aber der Klasse auch meinen Respekt zollen zu diesen nachdenkenswerten und damit hilfreichen Ratschlägen. Diese werden meinen Unterricht verändern!

1. Sicht der heutigen Jugend

Hier nun zahlreiche Zitate aus der Umfrage:

img1Die heutige Jugend weiß über die Wichtigkeit von einem guten Schulabschluss Bescheid. Trotzdem haben fast alle Motivationsprobleme zu lernen und halten fast nie selbst erstellte Zeitpläne ein, da immer etwas gefunden wird, was wichtiger erscheint als die Schule. Schüler hassen in den meisten Fällen die Lehrer, die ihnen am meisten vermitteln, da diese Lehrer oftmals am strengsten und am gnadenlosesten bei nicht gemachter Arbeit handeln.

Ich denke, die heutige Jugend ist teilweise faul und viel zu locker erzogen, weshalb sie sich manchmal benimmt wie ein König... Eltern, aber auch Lehrer greifen zu wenig durch oder machen nur leere Drohungen und setzen die nicht um. Die Jugend von heute braucht Autoritätspersonen, die zwar streng sind, aber trotzdem fair und freundlich, wovon die meisten wohl denken, dass das ein Widerspruch ist. Nur weil zwei, drei Jugendliche Amok laufen, sind wir alle gestört? Was ist mit den 5000, die jedes Jahr ein Einser-Abi machen allein in Deutschland, warum unterstellt man uns nicht so etwas?

Die heutige Jugend wird meines Erachtens zu lasch behandelt. Die Schüler können zum Großteil machen, was sie wollen, es ist egal, ob man zu spät kommt, außerdem reicht es einem Schüler in jedem Fach nur auf die Klassenarbeit zu lernen, da man so gut wie nie abgefragt wird. Außerdem werden Disziplinlosigkeiten nicht bestraft.

Des Weiteren ist es meiner Meinung nach viel zu einfach, während einer Arbeit (zumindest bei manchen Lehrern) sein Handy zu ziehen und einen Freund um Hilfe zu bitten, das Internet zu befragen oder das integrierte Wörterbuch zu benutzen.

Vor allem in der 11. Klasse hört man oft den Satz: "Die 11. Klasse ist sowieso unwichtig. In der 12. fange ich dann auch wieder an zu lernen." Diese Einstellung finde ich persönlich sehr naiv, aber es gibt trotzdem viele, fast schon zu viele, die so denken. Allerdings sind das auch oft welche, die noch kein festes Ziel, abgesehen vom Abitur, vor Augen haben, was, wie ich denke, auch ein großer Punkt ist, ob ein Schüler lernt oder nicht. Die andere Extremgruppe lernt mit dem Gedanken, dass sie schon jetzt auf ihr Abitur hinarbeitet. Sie strengt sich an gute Noten zu schreiben, auch schon in der 11. Klasse. Sie hat ein festes Ziel auch über das Abitur hinaus.

img1Heute bekommt man auf die Frage: "Hey, Frank, was machst du heute Mittag? Hast du mal Lust etwas zu unternehmen?" Nur die Antwort: "Nee, lass stecken, ich zock heute Mittag lieber Counter Strike." Dieses Verhalten wirkt sich dann auch auf die Schule aus, Leute kommen verschlafen in den Unterricht. Es kann der beste Lehrer sein, der abwechslungsreichste Unterricht. Keiner hat mehr Bock, jeder will nur chillen und in Ruhe gelassen werden. Leider treten die meisten mit einer "Ist-doch-alles-Scheiße-Mentalität" auf.

In der heutigen Wirtschaftslage ist es schwer sich ein Berufsziel zu setzen. So weiß man nie, auf was man hinarbeitet und so ist man nicht motiviert, seine Freizeit für die Schule zu opfern.

Aus meiner Sicht ist die heutige Jugend sehr verwöhnt. Das kommt zum Teil von den Eltern oder aber auch aus Realschule / Gymnasium. Dort musste man sich nicht viel selbst erarbeiten, sondern hat alles "hinterher geschoben" bekommen. Wenn ich von der Schule heimkomme, ist das so, wie wenn ich einen Strich ziehe und mir sage, jetzt hast du Freizeit!

Außerdem ist die heutige Jugend sehr faul geworden. Sie schreiben z.B. Tafelanschriebe nicht mit, weil sie sagen, sie haben keine Lust, das ist mir zu dumm das abzuschreiben. Außerdem lernt die heutige Jugend unter einem bestimmten Druck besser und auch mehr oder effektiver.

Die heutige Jugend ist meiner Meinung nach teilweise viel zu verwöhnt. So nimmt sie es gar nicht wahr, wenn die Eltern ihr Zimmer aufräumen oder ihr beinahe jeden Wunsch erfüllen, ohne sich "richtig" zu bedanken oder es wirklich zu schätzen. Nicht wenige Jugendliche haben sich ein festes Ziel gesetzt und versuchen auch dies zu erreichen. Allerdings wird das Setzen solcher Ziele immer schwieriger, da z.B. die Nachrichten nicht viel Hoffnung auf gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt machen.

Die heutige Jugend ist meiner Meinung nach offen für die Welt und andere Kulturen. Aber sie ist auch sehr faul, würde am liebsten nur zu Hause oder in der Wiese liegen und "chillen". Sie genießt sehr das "Hotel Mama", möchte jedoch eigenständig sein.

Die heutige Jugend denkt, wenn sie in die Schule geht, nicht als Erstes daran, was sie im Unterricht durchnehmen, sondern an Sachen wie "sehe ich in der Jeans fett aus" oder "sind meine Hautunreinheiten genügend abgedeckt". An erster Stelle steht bei allen die gesellschaftliche Position.
Die heutige Jugend wird zwar in der Öffentlichkeit häufig als alkoholabhängig, verzogen oder uninteressiert dargestellt, wird jedoch häufig nicht gefordert bzw. hat häufig auch nicht die Chance zu zeigen, zu was sie fähig ist.

Die heutige Jugend lässt sich auch ziemlich stark vom Alkohol beeinflussen. Knapp die Hälfte der Jugendlichen, die ich kenne, gehen nur auf Partys, um sich "zuzusaufen".

Die heutige Jugend wird durch den hohen Druck in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt sehr sensibel und verliert immer mehr an Selbstbewusstsein.

Nur die, die nicht irgendwie auffallen, sind die wirklichen "Loser", denn sie werden einfach vergessen. Klar, über solche redet man nicht schlecht, aber auch nicht gut. Sie werden einfach vergessen!


2. Lehrerverhalten aus Schülersicht

Wenn ich einmal Lehrer wäre.

img1Als Lehrer würde ich anfangs übermäßig streng handeln, keine Störungen dulden und somit als Autoritätsperson dastehen. Nach und nach kann man in disziplinierten Klassen lockerer wirken und es würde somit eine angenehme Atmosphäre entstehen. Ich würde Noten streng verteilen, damit die Schüler mehr als sonst lernen. Auch wenn man somit als Lehrer nie beliebt sein wird, werden einem die Schüler nach einem guten Abitur dankbar sein, auch wenn sie das nie zeigen würden.

Als Lehrer würde ich auch über die Ferien kleine Aufgaben aufgeben, damit meine Schüler nicht vollkommen aus dem Stoff rauskommen. Außerdem würde ich zwischen den festgelegten Klassenarbeiten Kurztests schreiben, um die Schüler zum Lernen zu "zwingen".

Als Lehrer würde ich den Schülern und Schülerinnen immer einen konstanten Druck aufbauen und nicht einmal totalen Druck und einmal gar keinen Druck. Die meisten Schüler können mit so einem Druck auch umgehen und lernen auch so viel mehr, weil sie ja einen gewissen Druck haben.

Als Lehrer würde ich erstmal versuchen bzw. zeigen, dass sie Respekt vor einem haben. Immer für einen Schüler da sein, wenn er gerade jemanden braucht (Mobbing).

Ich würde die Schüler viel kontrollieren, da viele sehr faul sind.

Als Lehrer würde ich versuchen eine gute Mischung aus Disziplin und Druck und etwas lockerem Unterricht hinzubekommen. Schüler brauchen Motivation zum Lernen, aber durch zu viel Druck werden sie auch nicht besser. Regelmäßiges Abfragen finde ich besser als unangekündigte Tests.

img1... mit der ganzen Klasse Unterricht machen, d.h. unabhängig von Meldungen alle Schüler immer wieder aufrufen. So bleiben sie aktiv und können zeigen, was sie drauf haben. Bei mehrmaligem nervendem Stören einzelner Schüler härter durchgreifen.

Als Lehrer würde ich härter durchgreifen und strengere Methoden anwenden. Ich würde beispielsweise jede Stunde einige Schüler abfragen und dies benoten. Ebenfalls würde ich versuchen so viele Schüler wie möglich ins Unterrichtsgeschehen mit einzubeziehen, somit zwingt man den Schüler nicht nur körperlich anwesend zu sein, sondern auch mal sein Gehirn einzuschalten.

Außerdem fände ich es wichtig, die Schüler wie auf einer Ebene stehend zu behandeln und zu respektieren und nicht dauernd den "Lehrer-Joker", ich bin der Chef und habe immer Recht, auszuspielen. Meiner Erfahrung nach werden noch immer die Mädchen bevorzugt und das ist für den männlichen Teil stark demotivierend. Also härter durchgreifen, wenn berechtigt, faire Strafen, aber nicht Gott spielen, den Schülern Selbstwertgefühl, Gleichberechtigung, Motivation, Zielstrebigkeit beibringen bzw. entgegenbringen.

Ich denke, dass viele Lehrer nur einen kleinen Teil der Klasse im Unterricht mit einbeziehen. Bei stärkerem Einbezug sind alle Schüler gezwungen, etwas zum Unterricht beizutragen und können sich nicht mehr auf dem freiwilligen Teil der Klasse ausruhen.

Außerdem müssen bei Klassenarbeiten stärkere Kontrollen gegen Spickzettel gemacht werden, da sich viele Schüler so unerlaubt gute Noten abholen, ohne etwas dafür getan zu haben. Genau so schlimm finde ich es, dass es fast bei allen Lehrern möglich ist, während der Arbeit sein iPhone zu zücken und die Lösungen zu googeln.

img1Als Lehrer sollte man jedem Schüler eine Chance geben und nicht gleich nach einer schlechten Arbeit einen abschreiben.

Man sollte viel Druck machen, alleine kommen die Schüler nicht auf die Idee zu lernen. Gerade in der 11. Klasse ist das wichtig, damit Schüler sich gar nicht erst damit anfreunden, nie etwas zu tun.

Als Lehrer würde ich zwar streng sein, jedoch auch ab und zu Spaß machen und nicht zu verkrampft sein. Dem Schüler sollte man manchmal mehr helfen und beistehen.

Man sollte die ganze Klasse in den Unterricht einbeziehen. Auch den "schlechteren" Schüler immer wieder aufrufen, um ihm die Chance zu geben sich Selbstvertrauen zu holen. Wenn einmal etwas Falsches gesagt wird, würde ich als Lehrer so reagieren: "Gut, dass du dich gemeldet hast, vielleicht klappt es beim nächsten Mal!" Dann merkt ein Schüler: Ah, ich kann mal was Falsches sagen, ohne gleich bestraft (Note) zu werden. Nichtsdestotrotz sollte ein Lehrer immer bedenken, dass er ein Schüler optimal auf bevorstehende Prüfungen vorbereiten soll, was eigentlich immer nur im Zusammenhang mit harter Arbeit und Fleiß geht.

Außerdem würde ich im Unterricht für Ruhe sorgen, also die Gespräche der Schüler müssen eingestellt werden und nicht mehr als zweimal ermahnen, ansonsten gibt es Nachsitzen oder Strafarbeit. Als Lehrer kann man gerne Lieblingsschüler haben, aber man sollte sie auf keinen Fall anders behandeln als andere Schüler.

Als Lehrer würde ich den Schülern regelmäßig ihre mündlichen Noten bekannt geben und diese ebenso wie die Referatsnote nicht einfach unterschlagen.

Als Lehrer würde ich durchgreifen. Ich würde mich nicht an der Nase herumführen lassen und würde alles, was ich sage, auch wahr machen. Jugendliche brauchen Vorbilder, aber keine Saubermänner mit "ich rauche nicht, ich trinke nicht", sondern normale Menschen, keine perfekten, aber harte, was Fairness und Freundlichkeit nicht ausschließen muss.


Philosophie-Psychologie-Seminar - aus Schülersicht


img1Zwei Stunden mehr Unterricht die Woche, eine Arbeit, eine Hausarbeit, zwei Referate. Zunächst einmal reizt das Seminar uns Schüler nicht gerade mit unwiderstehlichen Verlockungen. Extra-Arbeit - wer von uns hört so was denn schon gerne? Aber für uns, diejenigen, die den Kurs im letzten Jahr belegt haben, ist all das zu einem bereichernden Beiprodukt eines spannenden Seminars geworden. Die Zusatzarbeit betrachten wir nicht mehr als solche, für uns ist sie viel mehr zu einem wissbegierigen Stöbern und Schnüffeln, einer Art Entdeckungsreise durch die Materie, geworden. Ähnlich die zwei Schulstunden am Nachmittag, die eher die Bezeichnung "Diskussionsrunde" als "Unterricht" verdienen. Schon während der Mittagspause blieb die sonst übliche "Oh-nein-jetzt-noch-2-Stunden-Unterricht-ich-würde-lieber-nach-Hause-gehen"-Haltung aus. Ganz im Gegenteil blickten wir Schüler immer gespannt dem nächsten Referat entgegen, während sich im Klassenzimmer allmählich eine lockere Atmosphäre der Neugierde und des Wissensdurst niederlegte.

img1Im ersten Halbjahr gestaltete sich der "Unterricht" mit Referaten zum Thema Psychologie. Anfänglich waren wir dem Theorie lastigen Unterrichtsinhalt gegenüber skeptisch. Aber ziemlich schnell stellten wir fest, dass alle Themen sehr realitätsnah waren. So wurde das erste Halbjahr zu einer Reise durch die Psychologie, die uns unsere Persönlichkeiten, unsere Eigenheiten und Verhaltensweisen erklärte, unsere Träume entschlüsselte und uns aufzeigte, welcher Teil unserer Persönlichkeit in unseren Genen verankert und welcher Ergebnis unserer Erziehung und unseres Umfelds ist. In den anschließenden Diskussionen teilten wir Erfahrungen und Eindrücke und erörterten, in wieweit die einzelne Theorien der Psychologen in der Praxis anwendbar sind. Dieser erste Teil des Kurses enthüllte uns die Psyche des Menschen und gab uns erstaunliche Erklärungen für unsere Verhaltensweisen.

img1Der zweite Teil des Seminars bestand aus unseren persönlichen Referatsthemen, die wir ganz frei wählen durften. So bekam jeder die Möglichkeit, sich mit dem auseinander zu setzen, was ihm am Herzen liegt, was ihn begeistert oder bewegt. Entsprechend einfach fiel es uns die Hausarbeiten zu schreiben und die Referate zu halten. Man spürte regelrecht die Leidenschaft, den persönlichen Bezug und das Anliegen hinter den Vorträgen und wurde oft schnell von der Begeisterung angesteckt. Für alle hieß es immer wieder Neuland zu betreten, sich andere Blickwinkel aufzeigen zu lassen und sich dazu inspirieren zu lassen sich Gedanken zu machen. Offenheit, Wissbegier, Vielfalt und kritische Augen begleiteten das Seminar, das nicht zu unrecht mit "Philosophie" betitelt wurde. Denn definiert man den Philosophen mit den Worten Sophia Elisabeth Gerbers, "Philosophen sind wie Tankwarte, die die Menschen mit ihren Gedanken erfüllen und antreiben wollen", so sind wir in dieser Zeit wohl alle zu "kleinen Philosophen" geworden.

Im Namen des Philosophie-Kurses möchte ich hiermit Herrn Schenck für die Möglichkeit danken, einen Unterricht zu erleben, wie man sich ihn als Schüler erträumt: voller Faszination, Elan und Zwanglosigkeit.

ArtikelschreiberArtikel: Julia Spiesberger MailJuliaSpiesberger@gmail.com







Philosophie-Psychologie-Seminar - aus Lehrersicht


img1"Club der Interessierten", so definierte Julia Spiesberger in ihrem kurzen Statement zum Philosophie-Psychologie-Seminar diese Veranstaltung am Dienstagnachmittag. img1Ich hatte zu Ende des letzten Schuljahres schon resigniert, den Kurs abgeschrieben, kein Schülerinteresse in Sicht. Am letzten Tag vor den großen Ferien wuselten Katharina Steinmeyer, Simone Matzer und Julia Spiesberger durch die Schulflure mit Namenslisten in der Hand, warben und hatten Erfolg: Maximalzahl der Teilnehmer erreicht, sogar überschritten!

Was sofort in diesem Seminar auffiel, war Engagement bei Zuhörern und Referenten. Der gesamte Stoff wurde durch Referate vermittelt, ein Seminar von Schülern für Schüler. Ausschließlich Schülerinteressen bestimmten die zweite Hälfte des Schuljahrs: Wofür dein Herz schlägt, das mach zu deinem Referat, war das Motto, und schreib darüber eine Hausarbeit, entsprechend auch die innere Beteiligung. Die Anfangsreferate dauerten fast immer zwei Schulstunden, es wurde diskutiert, was das Zeug hält, verbunden mit persönlichen Stellungnahmen und Geschichten, - Schule als Idealfall.

Was bedeutete mir das Seminar? Es war meine Idee mit Schülern wenigstens einmal pro Woche so zu arbeiten, weswegen ich eigentlich vor über zwei Jahrzehnten Lehrer wurde. Damals ahnte ich nicht, dass ich achtzig Prozent meiner Zeit in Korrekturen stecken werde und für intensive Vorbereitungen nur die Ferien blieben. Die Situation ist, wie sie ist, nicht änderbar. img1Also beschloss ich mir ein Fach zu basteln, was eine Bedingung erfüllt: es muss allen Freude machen! Was ich für mich kreierte, wurde auch den Schülern zu einem Fach, "was eigentlich keine Schule mehr ist, kein Unterricht im herkömmlichen Sinn". So img1stand es mehrfach in den Schülerrückmeldungen. Ein größeres Lob konnte diesem Seminar kaum gegeben werden.

Schon die vorgegebenen Psychologie-Referate des Anfangs wurden in einer Perfektion und mühevoller Vorbereitung präsentiert wie selten in anderen Unterrichtsfächern. Vieles wurde hinterfragt, nachgefragt, neu bewertet und auf sich bezogen. Das machte dieses Seminar aus. Oft stand in den nachdenklichen Mienen geschrieben: Es geht um mich! Immer wieder tauchte der eine oder die andere in sich ab, ein Stichwort, eine Idee, ein beschriebenes Experiment genügte, - konzentrierte Stille, Nachdenklichkeit, Schweigen, Rückzug in sich, während die Diskussion noch in vollem Gange war. Teilweise gingen die Diskussionen nach der Schule weiter bis an den Familientisch.

Nochmals zurück zu meiner Frage: Was bedeutete es mir? Viel, sehr viel! Ich war Teil des "Clubs der Interessierten", die übliche Hierarchie von Lehrer und Schüler war aufgehoben, ich war Teil eines engagierten Ganzen, ich genoss diese entspannte Atmosphäre und merkte des Öfteren: Jetzt geht es um dich! Dieses Referat, diese Schüler-Äußerung trifft deinen Punkt! img1In keinem anderen Fach, am ehesten vielleicht noch in Religion, stehe ich als Mensch, nicht als Lehrer so zur Disposition wie in diesem. "Tua res agitur" heißt es auf Latein, deine Sache wird verhandelt! So spürte ich es auch.

Dieses Seminar war für mich eine stete Bereicherung, ich freute mich auf die persönlich gewählten Referate, viele waren Neuland für mich, der Experte war der Schüler und von ihm lernten wir alle, Mitschüler und Lehrer! Wir tauchten ein in andere Welten, neue Gedanken, interessante Untersuchungen, wir wurden konfrontiert mit persönlichen Erklärungen, Schicksalsschlägen, Erfolgen und Niederlagen. Wir hörten zu, diskutierten, lehnten ab, begrüßten, stellten in Frage und verteidigten, es war unser Seminar, unsere Zeit, unsere Themen. Ich habe in der Gestaltung, aber auch inhaltlich vieles, fast alles aus der Hand gegeben und wurde genau dadurch mit so vielen interessanten Stunden beschenkt, dafür möchte ich allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern von Herzen danken!

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ArtikelschreiberArtikel: Klaus Schenck MailKlaus.Schenck@t-online.de







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