Theaterbesuch- Besuch der alten Dame


Im Rahmen einer Schulveranstaltung kam ich in den Genuss unsere Abi-Lektüre mal auf die ganz andere Weise kennen zu lernen. Die Ankündigung des Theaterbesuchs in Tauberbischofsheim löste im Deutschunterricht nicht gerade Begeisterung bei den Schüler/innen aus, doch diese schlechte Vorahnung sollte nicht bestätigt werden. Das Theater fand am 11.04.2011 in der Stadthalle in Tauberbischofsheim statt und es wurde die tragische Komödie "Besuch der alten Dame" auf der Bühne dargestellt. In einer kurzen Einführung wurden den zahlreich gekommenen Schülern und Lehrern die Fakten der Biografie Friedrich img1Dürrenmatts, des Verfassers dieses Werkes, vor Augen geführt. Zudem wurde für jene, die das Buch noch nicht gelesen haben, der Inhalt in kurzer und prägnanter Form vorgetragen, sodass nun jeder eine grobe Ahnung von dem bekommen konnte, was da nun auf ihn zukommen würde. Nach dieser Einführung ging es dann auch schon mit dem eigentlichen Theaterstück los. Der Beginn des Stückes ist zunächst unspektakulär. Gezeigt werden ein paar Bürger Güllens, die vor dem Bahnhof sitzen und die Züge vorbeirauschen sehen. Kein Zug hält bei ihnen im bescheidenen, aber doch auch hoch verschuldeten Städtchen an. Doch sogleich folgt der erste Impuls der Aufführung. Claire Zachanassian, welche den Bürgern Güllens noch als Klara Wäscher bekannt ist, hat ihren hohen Besuch angekündigt und will ihrer verschuldeten Heimatstadt finanziell unter die Arme greifen. Als diese, gespielt von Ursula Schucht, auf die Bühne kommt, hatte man ein Staunen und Raunen im Publikum vernehmen können. Die rothaarige Schauspielerin polarisiert und erstaunt mit einem perfekten ersten Auftritt auf der Bühne. Bestimmt, wie sowohl im Buch an vielen Stellen deutlich bemerkbar als auch auf der Bühne sehr gut gespielt, bietet Claire, die durch zahlreiche Hochzeiten reich geworden ist, eine Summe von einer Milliarde. Die Bürger Güllens werden nun auf der Bühne sehr euphorisch dargestellt und ähnlich naiv, wie auch im Buch beschrieben. img1Zudem wird auch Alfred Ill, der zweite Protagonist des Werkes, dem Zuschauer immer näher gebracht. In der Anfangsszene wurde er zunächst als gefeierter und hoch angesehener Bürger vorgestellt und nun kommt Claires Bedingung. Für eine Milliarde möchte sie im Gegenzug Gerechtigkeit von den Güllnern haben. Hier befindet sich nun auch der Gefühlsumschwung der Einwohner von Güllen, der auf anschauliche Art und Weise von den Schauspielern dargestellt wurde. Die dominant und bestimmend gespielte Claire möchte für das Vergehen, welches ihr vor vielen Jahren von Alfred, ihrer Jugendliebe, angetan wurde, rächen. Die Güllner Bürger werden zunächst so dargestellt, als würden sie das Angebot als unmoralisch empfinden und geben vor, natürlich hinter ihrem Alfred zu stehen. Doch nach und nach bemerkt der Zuschauer, dass sich die Güllner auf eine fast lustige Art und Weise Dinge kaufen, die sie sich selbst eigentlich gar nicht leisten können. Auch seine Frau, die dem Publikum als eher unscheinbar und unwichtig fürs Gesamtstück präsentiert wurde, wendet sich mehr und mehr von Alfred ab und lässt ihn somit, wie alle anderen Güller, spüren, dass er derjenige ist, weshalb die Finanzspritze nicht ankommt. In dieser Szene wird Ill, gespielt von Hannes Höchsmann, immer häufiger auch alleine auf der Bühne gezeigt. In seiner sichtlichen Verzweiflung wendet er sich an die Polizei, an den Bürgermeister und gar an den Pfarrer. Doch auch dem Publikum wird schnell klar, auch diese sind in der korrupten Verschwörung mit eingebunden. Es kommt gar zu einem weiteren Treffen mit der überzeugend gespielten img1Claire, welche sich jedoch auch nicht von Alfred beeindrucken lässt. Claire mimt ein abgekartertes Spiel, bei welchem sie immer wieder betont, wie wichtig ihr die Gerechtigkeit und somit die Rache sei. Im Laufe des Stückes werden dem Zuschauer ebenfalls die amüsant dargestellten Handlanger Claires, Loby und Koby, vorgestellt, welche wohl im Theaterstück nur die Funktion haben, die Atmosphäre aufzulockern, denn auch im Werk tragen beide eine eher unscheinbare Rolle. Sie reden immer synchron und in einer sehr hohen Tonlage, sodass der Zuschauer immer wieder dazu verleitet wird, zu lachen. Kein Bürger Güllens traut sich, Alfred umzubringen und alle müssen auch die Tatsache hinnehmen, dass Ill sich nicht so schnell geschlagen geben wird. Letztlich wird, und das schien für viele Besucher skurril, die Beerdigung für Ill vorbereitet, welcher letztlich dann auch umgebracht wird. Die Bestattung wird ebenfalls wieder auf theatralische Art und Weise und mit vielen Lichteffekten dargestellt. Die Beerdigung schließt das Theaterstück ab. Insgesamt lässt sich sagen, dass das Theaterstück eine gelungene Inszenierung des Werkes "Besuch der alten Dame" von Dürrenmatt darstellt. Mit vielen, auch aktuellen Bezügen, wie z.B. Stuttgart 21, wurde die Szenerie aufgelockert und auch die Schauspieler machten einen sehr fitten Eindruck. Viele Schüler waren nach dem Theaterbesuch positiv überrascht, was ich auch von mir behaupten kann. So bleiben nur noch die Worte, die Badische Landesbühne weiterempfehlen zu können.

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ArtikelschreiberArtikel: Lisa Schüßer Maillisa.schuessler92@gmx.de
Mail Fotos: Badische Landesbühne, Bruchsal





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